Mau-Mau im Portrait: Ein Spiel ohne offizielle Regel

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Kurzantwort: Mau-Mau ist ein Ablegespiel für zwei und mehr Personen: Wer am Zug ist, legt eine Karte in gleicher Farbe oder gleichem Wert wie die oberste offene Karte, oder zieht vom Stapel. Wer zuerst alle Handkarten los ist, gewinnt. Eine offizielle Regelinstanz gibt es nicht – deshalb weichen Kartenbedeutungen, Altersangaben und sogar Spieldauer von Anleitung zu Anleitung ab.

Mau-Mau auf einen BlickKartenspiel
Personenab 2Ausgabe ASS: 2–4
Dauer5–15 Min.je Partie
Alterab 4 JahrenVerlagsangabe
Erklärzeitca. 3 Min.bis zum ersten Zug
Anspruchganz einfach
GlücksanteilGlück entscheidet oft
Konfliktgradspürbares Wegnehmen

Sie googeln „Mau-Mau Regeln“, weil zu Hause gerade Streit herrscht: Ihre Familie spielt „Bube auf Bube stinkt“, die Ihres Partners nicht. Beide sind überzeugt, die richtige Regel zu kennen. Die überraschende Wahrheit: Es gibt niemanden, der das entscheiden könnte. Mau-Mau hat keinen Verlag, keinen bekannten Autor und keine Instanz, die eine verbindliche Fassung herausgibt – und selbst die deutsche Wikipedia, das mit Abstand ausführlichste Nachschlagewerk zum Spiel, enthält im gesamten Artikel genau einen Einzelnachweis – und der betrifft nicht den Regelkern, sondern einen kommerziellen Ableger.

Dieses Portrait ordnet ein, was von „der Mau-Mau-Regel“ tatsächlich feststeht, woher das Spiel kommt und wie es wirklich um die vielzitierte Verwandtschaft zu UNO steht. Es beruht auf Referenzquellen (Wikipedia, dem internationalen Kartenspiel-Kompendium pagat.com, Kartenspielhersteller-Angaben) und einer Auswertung von Diskussionen aus Hobbyspieler-Runden – keine eigene Simulation, denn bei einem Spiel ohne festen Regelkern gibt es keine feste Mechanik, die man durchrechnen könnte.

Die Kurzantwort oben sagt, wie man in den meisten Runden spielt. Sie sagt nicht, welche der fünf klassischen Sonderkarten wirklich zum Kern gehören und welche reine Hausregel sind – das klärt der übernächste Abschnitt mit einer Belastbarkeits-Tabelle, die es in dieser Form bei keiner anderen deutschsprachigen Mau-Mau-Seite gibt.


Worum es geht: Karten nach Farbe oder Wert ablegen

Der tatsächlich belegte Kern von Mau-Mau ist überraschend kurz. Über alle geprüften Referenzquellen hinweg – Wikipedia, Wikibooks und die Kartenspielhersteller-Referenzseite von ASS Altenburger – deckt er sich fast wortgleich:

  • Jede Person erhält zu Beginn 5 bis 7 Handkarten, die genaue Zahl schwankt je nach Quelle.
  • Gespielt wird reihum mit einem deutschen oder französischen 32-Blatt-Deck; regional kommen auch 36 oder 52 Karten zum Einsatz.
  • Eine Karte darf abgelegt werden, wenn sie in Farbe oder Wert mit der obersten offenen Karte übereinstimmt.
  • Wer nicht ablegen kann oder will, zieht eine Karte vom verdeckten Nachziehstapel; danach ist die nächste Person an der Reihe.
  • Wer zuerst alle Handkarten losgeworden ist, hat die Runde gewonnen.

Das ist der Grundregel-Teil des Spiels, den die drei geprüften deutschen Referenzquellen praktisch identisch beschreiben. Schon bei der Ansage „Mau“ vor der vorletzten Karte wird es unschärfer: Die deutsche Wikipedia führt sie explizit unter „Weitere Regeln“ – nicht unter den Grundregeln – und stuft sie damit selbst als fast immer ergänzte, aber nicht garantierte Zusatzebene ein.

💡 Faustregel: Wenn eine Mau-Mau-Regel mit einer Sonderkarte, einer Ansagepflicht oder einer Strafkartenzahl zu tun hat, ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine regionale Ergänzung – nicht der belegte Kern.

Warum es keine offizielle Mau-Mau-Regel gibt

Das ist der eigentliche Befund dieses Portraits, und er lässt sich an drei Punkten festmachen, die selten zusammen genannt werden.

Erstens: Der gesamte deutsche Wikipedia-Artikel zu Mau-Mau enthält im kompletten Text genau einen Einzelnachweis – und der belegt nicht den Regelkern, sondern die Buzzer-Mechanik eines kommerziellen Ablegers (Ravensburgers „Mau Mau Extreme“, 2013). Für Kartenverteilung, Aktionskarten und Mau-Ansage gibt es keinen Einzelnachweis; das Literaturverzeichnis nennt lediglich zwei Regelbücher (Udo Müller 1980, Altenburger Spielregelbüchlein 1983), ohne sie einzelnen Aussagen zuzuordnen.

Zweitens: pagat.com, die von John McLeod betriebene und international als maßgeblich geltende Kartenspielregel-Sammlung, hat keine eigene Mau-Mau-Seite. Das Spiel taucht dort nur als deutscher Name innerhalb der „Eights“-Spielfamilie auf, mit dem Hinweis, es handle sich um „die deutsche Version von Crazy Eights“. Die dort genannte Kartenzuordnung weicht von der deutschen Tradition spürbar ab:

KarteDeutsche Tradition (Wikipedia, ASS Altenburger)Crazy-Eights-Regel auf pagat.com
7 / 2Zieh-Zwang (2 Karten), stapelbarkeine feste Sonderfunktion für die 7
8Aussetzen für den NachfolgerFarbwunsch (Wild-Card-Funktion)
Bube / DameBube = FarbwunschDame = Aussetzen
Assuneinheitlich (Extrazug oder Aussetzen, je nach Quelle)Richtungswechsel

Wer sich also auf „die internationale Referenz“ beruft, referiert faktisch auf ein anderes Regelwerk als das deutsche Mau-Mau.

Drittens: Auch für Kartenspielverbände wie den Deutschen Skatverband ließ sich keine offizielle Mau-Mau-Regelfassung finden – kein Verband beansprucht erkennbar eine Regelhoheit über das Spiel.

Die deutsche Wikipedia zieht daraus selbst eine Drei-Stufen-Grenze: „Grundregeln“ (der oben genannte Kern), „Weitere Regeln“ (alle Aktionskarten und die Mau-Ansage) und „Varianten“ (regionale Sonderkarten). Sie warnt ausdrücklich davor, die Funktionskarten als feststehend vorauszusetzen, weil sie „regional sehr unterschiedlich“ seien.

Die fünf Aktionskarten – und warum sich selbst deutsche Quellen widersprechen

Fünf Karten gelten landläufig als „die“ Sonderkarten von Mau-Mau: Sieben, Acht, Bube, Neun und Ass. Ein Vergleich der geprüften Referenzquellen zeigt: Sieben, Acht und Bube beschreiben alle deutschen Quellen in ihrer Grundfunktion gleich, Neun und Ass nicht.

KarteVerbreitetste FunktionBelastbarkeit
7Zieh-Zwang: nächste Person zieht 2 Karten, durch eigene 7 weiterreichbar (2, 4, 6 …)stabil belegt für das Ziehen von 2 Karten; das Weiterreichen ist bei Wikibooks nur Variante, bei Wikipedia „oft erweiterte Spielweise“
8Aussetzen für die nächste Personverbreitet innerhalb der deutschen Quellen, weicht aber von pagat.com/Crazy Eights ab
BubeFarbwunsch, frei auf jede Karte legbarFarbwunsch-Funktion anerkannt; das Verbot „Bube auf Bube“ ist laut Wikipedia und Wikibooks ausdrücklich Zusatzregel, keine Grundregel
9Wikipedia: „Alleskönner“ ohne Farb-/Wert-Zwang – ASS Altenburger und Wikibooks: Richtungswechsel (Wikibooks alternativ: Extrazug)uneinheitlich – alle drei Quellen führen die Neun nur als optionale Zusatz- bzw. Variantenregel, keine als Standard
AssExtrazug (Wikipedia/Wikibooks) oder Aussetzen (gambiter.com) oder Richtungswechsel (pagat.com)umstritten – mindestens drei sich widersprechende Zuschreibungen

Sieben, Acht und Bube überstehen den Vergleich der deutschen Quellen in ihrer Grundfunktion; von der Crazy-Eights-Zuordnung auf pagat.com weichen alle drei ab.

Bei Neun und Ass schreiben selbst seriöse deutsche Quellen einander widersprechende Funktionen zu – Wikipedia macht die Neun zum Alleskönner, der Kartenspielhersteller ASS Altenburger zum Richtungswechsler, ohne dass eine der beiden Quellen die andere erwähnt oder widerlegt. Für Ihre eigene Runde heißt das: Klären Sie vor dem Spiel, welche der beiden Neun-Funktionen gilt – „das steht doch so in der Anleitung“ gibt es hier nicht, weil es diese eine Anleitung nicht gibt.

Wie sich Mau-Mau anfühlt: schnell erklärt, nie zweimal identisch gespielt

Mau-Mau ist in einer Minute erklärt und lebt genau davon: Es ist eines der wenigen Kartenspiele, bei denen wirklich jeder am Tisch die Grundregel schon kennt, auch wenn die Details je nach Familie variieren. Entscheidungen fallen trotzdem – welche von zwei passenden Karten Sie ablegen, ob Sie eine gefährliche Sieben so lange wie möglich zurückhalten, wie Sie auf einen plötzlichen Farbwunsch reagieren.

Der Glücksanteil ist dabei hoch: Welche Karten Sie zu Beginn erhalten und welche Sie nachziehen, bestimmt einen großen Teil des Ergebnisses, und das lässt sich anders als bei Spielen mit fester Regelmechanik nicht belastbar beziffern, solange die Regel selbst von Tisch zu Tisch wechselt. Was bleibt, ist die soziale Seite: Weil kaum zwei Runden exakt dieselben Kartenfunktionen spielen, beginnt praktisch jede neue Partie mit einer kurzen Regelklärung – das ist bei diesem Spiel kein Ärgernis, sondern Teil des Rituals.

💡 Faustregel: Setzen Sie sich mit einer neuen Runde zusammen, klären Sie vor dem ersten Blatt genau drei Karten: Neun, Ass und die Bube-auf-Bube-Frage. Das sind die drei Stellen, an denen sich Familientraditionen am häufigsten widersprechen.

Herkunft: 1930er Jahre oder Nachkriegszeit? Die Wikipedia-Sprachversionen widersprechen sich

Auch bei der Geschichte des Spiels gilt: Die Ungeklärtheit selbst ist die belastbarste Aussage. Die deutsche Wikipedia schreibt wörtlich, eine „eindeutige Erstnennung und eine Geschichte des Mau-Mau-Spiels“ sei „noch nicht bekannt und aufgezeichnet“ – die Überlieferung verorte die Regeln in den 1930er Jahren, allerdings ohne Einzelnachweis.

Die englische Wikipedia zeichnet ein anderes Bild: Mau-Mau sei kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland aufgetaucht („surfaced“), die Regeln 1958 erstmals schriftlich veröffentlicht worden – mit Quellenangabe (Peter Trumpf: „Spielkarten und Kartenspiele“, Keyser, 1958). Eine weitere gedruckte Quelle von 1961 beschreibt Mau-Mau dort als „noch sehr junges Spiel“ mit überraschender Popularität.

Deutsche WikipediaEnglische Wikipedia
Datierung1930er Jahrekurz nach dem Zweiten Weltkrieg
Beleglagemündliche Überlieferung, kein Einzelnachweiszwei benannte gedruckte Kartenspiel-Kompendien (Trumpf 1958/1961)
Zeitliche Einordnung1930er Jahre, also rund 6–20 Jahre vor der NachkriegszeitErstdruck der Regeln 1958, rund 19–28 Jahre nach den 1930ern

Die beiden Angaben stehen in Spannung: Eine mündlich überlieferte Entstehung in den 1930ern (ASS Altenburger spricht von einer ersten Erwähnung „um 1930″) und ein Auftauchen nach dem Krieg schließen sich nicht zwingend aus, eine Entstehung erst nach dem Krieg dagegen schon. Wir lösen das hier bewusst nicht auf: Die englische Fassung stützt sich auf zwei benennbare Werke, die wir im Rahmen dieser Recherche allerdings nicht selbst einsehen konnten – nur über das Literaturverzeichnis der englischen Wikipedia.

Auch der Namensursprung gilt als ungeklärt; die deutsche Wikipedia schreibt dazu ausdrücklich, dieser sei „ungeklärt“, ohne eine der im Netz kursierenden Deutungen zu stützen.

Ist Mau-Mau mit UNO verwandt? Was belegt ist – und was nicht

Diese Frage wird häufig mit einem einfachen Satz beantwortet: „UNO ist Mau-Mau mit eigenen Karten.“ Die Beleglage trägt diesen Satz nicht.

UNOs eigene, gut dokumentierte Entstehungsgeschichte nennt einen anderen Auslöser: Merle Robbins entwickelte das Spiel 1971 in Reading, Ohio, nach einem Streit mit seinem Sohn über die Regeln von Crazy Eights – nicht über Mau-Mau. 1972 verkaufte er die Rechte für 50.000 US-Dollar plus 10 Cent Lizenzgebühr je verkauftem Spiel an International Games Inc., das 1992 in Mattel aufging. Mau-Mau wird in dieser Ursprungserzählung an keiner Stelle erwähnt.

Die Verbindung zwischen beiden Spielen läuft stattdessen über eine gemeinsame Familie: pagat.com führt Mau-Mau und UNO als gleichrangige Mitglieder derselben „Eights“- beziehungsweise „Shedding“-Spielfamilie, deren gemeinsamer Bezugspunkt Crazy Eights ist – nicht als direkte Abstammungslinie. Die deutsche Wikipedia formuliert es anders und nennt UNO neben Mio, Assano, SOLO und Lama eine „Weiterentwicklung“ von Mau-Mau; diese Aufzählung steht allerdings ohne Einzelnachweis im Artikel.

Für diesen Text heißt das: Belegt ist eine strukturelle Verwandtschaft – beide Spiele legen nach Farbe oder Wert ab und kennen Sonderkarten für Zieh-Zwang, Aussetzen, Farbwunsch und Richtungswechsel. Nicht belegt ist, dass Robbins Mau-Mau kannte oder kopierte, und genau diese Behauptung kursiert im Netz am häufigsten. UNO hat zudem, anders als Mau-Mau, einen dokumentierten Rechteinhaber und ein eigenes, markenrechtlich geschütztes Kartenvokabular (Skip, Reverse, Wild Draw Four) – Formulierungen aus UNO-Anleitungen gehören nicht zum Mau-Mau-Regelkern und werden in diesem Portrait bewusst nicht als solcher wiedergegeben.

Nach deutschem Urheberrecht sind reine Spielideen nicht schutzfähig, geschützt sein kann allenfalls die konkrete sprachliche Fassung einer individuellen Anleitung. Da sich für Mau-Mau weder ein Autor noch ein Rechteinhaber finden lässt, spricht nach dieser öffentlich zugänglichen rechtlichen Einordnung vieles dafür, dass die Mau-Mau-Grundmechanik frei nutzbar ist – eine Einschätzung, keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Die Variantenlandschaft: wo Familien sich uneinig sind

Wer in mehreren Foren und Hobbyspieler-Diskussionen nachliest, in welcher Reihenfolge Streitfragen bei Mau-Mau typischerweise auftauchen, findet ein wiederkehrendes Muster: Zwei Runden mit unterschiedlichen Regeln treffen aufeinander, und die erste Frage lautet fast nie „was macht diese eine Karte“, sondern pauschal „welche Regeln spielt ihr bei euch“. Danach klärt sich meist zuerst die Bube-auf-Bube-Frage, danach die Wirkung der Sieben.

Drei Streitpunkte tauchen in den ausgewerteten Diskussionen besonders häufig auf:

  • Bube auf Bube: Manche Runden verbieten es vollständig, andere erlauben es unter Bedingungen – etwa nur den Buben in der gewünschten Farbe oder nur, wenn man die gewünschte Farbe nicht hat. Alle diese Positionen finden sich im selben Diskussionsfaden.
  • Siebener-Kette: Übereinstimmend berichtet wird, dass der Zieh-Zwang bei mehreren nacheinander gelegten Siebenen um je zwei Karten wächst (2, 4, 6 Karten). Eine feste Obergrenze der Kette lässt sich dabei nicht sauber einer einzelnen Quelle zuordnen und bleibt deshalb als Hinweis auf die Variantenbreite stehen, nicht als bestätigte Regel.
  • Letzte Karte eine Sieben: Hier ist die Beleglage am dichtesten – und am gespaltensten. In einer Abstimmung unter zehn Teilnehmenden einer Diskussion stimmten die Hälfte für „Spiel endet sofort“, die andere Hälfte für „die Sieben wirkt noch, es geht weiter“. Bei einer Stichprobe dieser Größe lässt sich daraus keine Aussage über die Verbreitung einer Variante ableiten – belegt ist nur, dass die Frage in der Praxis wirklich spaltet.

Alle drei Streitfragen lösen wir hier bewusst nicht auf – dafür gibt es keine Instanz. Was sich klären lässt, ist die vollständige Bandbreite der kursierenden Antworten samt ihrer Quellenlage: Die Mau-Mau-Regeln mit allen Streitfragen sammeln sie mit Quellenangabe zum Nachschlagen am Spieltisch.

Für wie viele Personen, ab welchem Alter und wie lange dauert eine Partie?

Das ist die Lücke, die selbst die Wikipedia offenlässt: Weder Mindestalter noch Spieldauer werden dort für das Spiel selbst genannt – nur die Personenzahl, mit „für zwei und mehr Spieler“ ohne feste Obergrenze.

Für eine verbindliche Zahl braucht es deshalb eine konkrete Ausgabe. Die Produktseite von ASS Altenburger Spielkarten – einem der etablierten deutschen Kartenspielhersteller – nennt für die Ausgabe „Original Mau Mau“ (54 Karten) unter den Feldern „Ab Jahren“, „Spieldauer“ und „Spieleranzahl“:

Feld (Verlagsangabe)Wert
Ab Jahren4
Spieldauer5–15 Minuten
Spieleranzahl2–4

Dieselbe Quelle führt daneben eine zweite Ausgabe mit zwei Skat-Blättern („Mau Mau, 110 Karten“) für 2 bis 6 Personen, bei identischem Alter und identischer Spieldauer. Beide Angaben gelten ausdrücklich nur für diese Ausgaben dieses Herstellers – nicht als allgemeingültige Regel für das Volksspiel Mau-Mau, für das es, wie oben gezeigt, keine Instanz gibt, die eine verbindliche Zahl festlegen könnte. Im Netz kursierende Altersangaben wie „ab 5 Jahren“ oder „ab 3 Jahren“ stammen von Ratgeberseiten ohne genannte Quelle und werden hier deshalb bewusst nicht übernommen.

Praktisch belegt sich diese Einordnung leicht selbst: Wer bis vier zählen und eine Karte in Farbe oder Wert zuordnen kann, kommt im Prinzip mit – die 5 bis 15 Minuten der ASS-Altenburger-Ausgabe gelten dabei für eine einzelne Runde mit wenigen Karten pro Person, nicht für einen ganzen Spieleabend mit mehreren Durchgängen.

Für wen sich Mau-Mau lohnt – und für wen nicht

Es passt, wenn …

  • Sie ein Spiel brauchen, das wirklich jeder am Tisch schon kennt und niemand erst eine Anleitung lesen muss,
  • Sie wenig Gepäck wollen: Ein Skatblatt reicht, das Spiel ist damit so reisetauglich wie die kompaktesten Titel unserer Liste der besten Reisespiele,
  • Sie Kinder ab etwa vier bis sechs Jahren einbeziehen wollen – die Grundregel verlangt nur Zählen und Zuordnen,
  • Ihnen Regelvielfalt egal oder sogar willkommen ist: Jede Runde darf ihre eigene Fassung spielen, ohne „falsch“ zu liegen.

Es passt nicht, wenn …

  • Sie ein Spiel mit verbindlicher, überall gleicher Regel suchen: Das bekommen Sie bei Mau-Mau grundsätzlich nicht. Mit demselben 32er-Blatt bietet es Skat, das Kartenspiel zu dritt mit Internationaler Skatordnung,
  • Sie planbare Entscheidungen statt Ziehglück wollen – dann sind moderne Kartenspiele mit fester Mechanik wie Skyjo oder Wizard die verlässlichere Wahl, weil beide unabhängig von Hausregeln überall gleich funktionieren,
  • Sie das Ärgern als eigenständiges Thema suchen statt als Nebeneffekt: Dafür ist der Klassiker Mensch ärgere Dich nicht die ehrlichere Wahl, weil er genau darauf ausgelegt ist und mit derselben Diskussionsfreude um Hausregeln kämpft.

Wie alle Spiel-Portraits auf Spielstrategen ordnet auch dieses ehrlich ein, statt zu bewerten: Mau-Mau ist kein schwaches Spiel, weil ihm eine Regelinstanz fehlt. Es ist ein Volksspiel im ursprünglichen Sinn – mündlich weitergegeben, ohne Copyright, mit so vielen Fassungen wie es Familien gibt.

Häufige Fragen zu Mau-Mau

Gibt es eine offizielle Mau-Mau-Regel?

Nein. Mau-Mau hat keinen Verlag, keinen bekannten Autor und keine Instanz mit Regelhoheit. Selbst die deutsche Wikipedia hat im gesamten Artikel nur einen einzigen Einzelnachweis, und keinen davon für den Regelkern, und die international als maßgeblich geltende Kartenspielseite pagat.com führt Mau-Mau nur als Namensvariante von Crazy Eights – mit abweichender Kartenzuordnung.

Ist Mau-Mau mit UNO verwandt?

Strukturell ja, direkt abstammend nicht belegt. UNO entstand 1971 aus einem Streit über die Regeln von Crazy Eights, nicht über Mau-Mau – Mau-Mau taucht in UNOs dokumentierter Entstehungsgeschichte nicht auf. Beide Spiele gehören derselben internationalen Spielfamilie an, mit Crazy Eights als gemeinsamem Bezugspunkt.

Muss man „Bube auf Bube“ verbieten?

Nein, das ist keine Grundregel. Wikipedia („oft verboten“) und Wikibooks (Variante „nach manchen Regeln“) führen das Verbot als Zusatzregel, nicht als Kernregel. In Hobbyspieler-Diskussionen finden sich ein vollständiges Verbot und mehrere bedingte Erlaubnisse (etwa nur der Bube in der gewünschten Farbe).

Wie viele Karten bekommt jeder Spieler zu Beginn?

Referenzquellen nennen 5 bis 7 Karten, ohne sich auf eine feste Zahl festzulegen. Am häufigsten genannt werden 5 Karten pro Person. Eine verbindliche Zahl für das Volksspiel gibt es nicht – klären Sie die Kartenzahl vor dem ersten Blatt, wenn unterschiedliche Familientraditionen aufeinandertreffen.

Ab welchem Alter kann man Mau-Mau spielen?

Für das Volksspiel selbst nennt keine Referenzquelle ein Mindestalter. Die Ausgabe „Original Mau Mau“ von ASS Altenburger Spielkarten gibt als Verlagsangabe 4 Jahre an, bei einer Spieldauer von 5 bis 15 Minuten für 2 bis 4 Personen. Andere im Netz kursierende Altersangaben stammen von Quellen ohne genannten Beleg.

Ist Mau-Mau gemeinfrei nutzbar?

Nach öffentlich zugänglichen rechtlichen Fachbeiträgen spricht vieles dafür: Reine Spielideen sind in Deutschland nicht urheberrechtlich schutzfähig, und für Mau-Mau lässt sich weder ein Autor noch ein Rechteinhaber finden. Das ist eine allgemeine Einschätzung aus öffentlichen Quellen, keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Fazit

Mau-Mau ist das seltene Beispiel eines Spiels, dessen größte Stärke zugleich der Grund ist, warum am Küchentisch ständig gestritten wird: Es gehört niemandem, also spielt jede Familie ihre eigene Fassung – und jede hält sie für die richtige. Das ist kein Mangel, den eine bessere Anleitung beheben müsste, sondern der Charakter eines echten Volksspiels.

Wer vor der nächsten Partie wissen will, welche Antwort auf die großen Streitfragen – Neun, Ass, Bube auf Bube, die Sieben als letzte Karte – die jeweils beste Quellenlage hat, findet die vollständige Sammlung in den Mau-Mau-Regeln zum Nachschlagen.