· Von Stefan
Schnelle Antwort: Dame gibt es in mindestens drei gültigen Fassungen mit unterschiedlichen Kernregeln. Deutsche Dame (8×8-Brett, 12 Steine je Seite, fliegende Dame) lässt einfache Steine nach gängiger Lesart der deutschen Verlagsanleitung nur vorwärts schlagen. Die internationale Fassung Dame 100 (FMJD-Regelwerk, 10×10-Brett, 20 Steine je Seite) erlaubt Vorwärts- und Rückwärtsschlagen und verlangt zusätzlich Mehrheitszwang. Die angelsächsische Fassung (8×8, 12 Steine) kennt keine fliegende Dame. Schlagen ist in allen drei Fassungen Pflicht, sobald ein Schlag möglich ist.
Quellen: Regeln des Weltverbands FMJD (Official FMJD rules als PDF) und Spielanleitung von Ravensburger (Mühle und Dame als PDF).
Die Kurzantwort trennt die drei Fassungen bei der Frage, die am Tisch am häufigsten streitet. Sie sagt noch nicht, warum die offizielle Ravensburger-Anleitung beim Rückwärtsschlagen zwischen ihren eigenen Sprachfassungen voneinander abweicht, was passiert, wenn ein Stein die gegnerische Grundlinie bei einem Mehrfachschlag nur durchquert, und wie viel präziser die internationale Zügeregel zum Remis ist als die deutsche Verlagsformulierung. All das folgt unten, konsequent nach Fassung sortiert.
Zwei Personen sitzen am Brett, ziehen einen einfachen Stein rückwärts, um damit zu schlagen – und geraten sofort aneinander. Die eine hat es genau so gelernt, die andere widerspricht ebenso überzeugt. Sucht man danach online nach, findet man zwei Antworten, die sich diametral widersprechen, und beide berufen sich auf ihre eigene Erfahrung. Meistens haben beide recht – nur für unterschiedliche Fassungen des Spiels.
Diese Seite ordnet jede strittige Dame-Regel ihrer Fassung zu, statt eine einzige „richtige“ Antwort zu behaupten. Sie ist die Nachschlage-Fassung zum Dame-Portrait und gehört wie alle Kurzregeln zur Spiele-Übersicht auf Spielstrategen. Bevor Sie weiterlesen, lohnt eine einzige Vorab-Frage mehr als jede Einzelregel: Welche Fassung spielt Ihre Runde eigentlich?
💡 Faustregel: Bevor Sie über eine Dame-Regel streiten, klären Sie zuerst die Fassung – deutsche 8×8, internationale Dame 100 oder angelsächsisches Checkers. Die meisten Streitfragen dieser Seite lösen sich mit dieser einen Antwort von selbst.
Aufbau je Fassung: Brett, Steine und Startaufstellung
Schon beim Material trennen sich die Wege. Die in Deutschland handelsübliche Ausgabe (Ravensburger „Mühle & Dame“, Nr. 20 545 5) führt die 8×8-Fassung mit 12 Steinen je Seite als Hauptregel; die 10×10-Fassung erscheint dort nur als Zusatzvariante auf demselben Spielplan.
| Fassung | Brett | Steine je Seite | Startaufstellung |
|---|---|---|---|
| Deutsche Dame | 8×8 Felder, 32 dunkle Felder aktiv | 12 | drei Reihen dunkler Felder je Seite, zwei mittlere Reihen frei |
| Internationale Dame (Dame 100, FMJD) | 10×10 Felder, 50 dunkle Felder aktiv | 20 | vier Reihen dunkler Felder je Seite (Felder 1–20 bzw. 31–50), Felder 21–30 frei |
| Angelsächsisch (English Draughts / American Checkers) | 8×8 Felder, 32 dunkle Felder aktiv | 12 | wie deutsche Dame, drei Reihen je Seite |
Deutsche und angelsächsische Fassung starten also mit identischem Brett und identischer Steinzahl – der Unterschied liegt, wie weiter unten gezeigt, ausschließlich in den Zugregeln der Dame selbst. Die internationale Fassung ist dagegen schon beim Material ein anderes Spiel: größeres Brett, zwei Drittel mehr Steine (20 statt 12 je Seite).
Die Ravensburger-Anleitung nennt für keine der beiden von ihr abgedeckten Fassungen eine Spieldauer in Minuten. Nur ein Produktdatenblatt (Spieltz Verlag: 20–30 Minuten) nennt eine Zahl; darüber hinaus ließ sich keine verlässliche Zeitangabe finden – eine Partie zwischen zwei geübten Personen dauert erfahrungsgemäß deutlich länger als eine zwischen zwei Einsteigenden, eine seriöse Zahl lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Dame-Spielregeln zum Schlagen: Wo die Pflicht endet – und wo sie zusätzlich beginnt
Der Kern jeder Dame-Partie ist das Schlagen, und genau hier liegt die am häufigsten gestellte Regelfrage überhaupt: Muss man schlagen, wenn man kann? Die Antwort ist in allen drei Fassungen identisch – und trotzdem beginnt die eigentliche Streitfrage erst danach.
Schlagzwang gilt fassungsübergreifend. Die FMJD formuliert es für die internationale Fassung ohne Ausnahme (Art. 4.2: der Stein „is obliged to jump“) – ein möglicher Schlag muss also ausgeführt werden, auch wenn er einen Nachteil bringt. Die Ravensburger-Anleitung setzt die Schlagpflicht für die deutsche Fassung voraus („Übersieht man eine Schlagmöglichkeit, kann der Gegner auf das Schlagen bestehen.“) und verlangt ausdrücklich das Weiterschlagen: „Gelangt er mit seinem Zug auf ein Feld, von dem er weitere gegnerische Steine schlagen kann, muss er dies tun!“ Für die angelsächsische Fassung bestätigt die englische Wikipedia denselben Grundsatz. In allen drei Fassungen ist Schlagen also Pflicht, kein Wahlrecht.
Beim Mehrheitszwang trennen sich die Fassungen. Die FMJD kodifiziert für die internationale Dame 100 zusätzlich, dass bei mehreren möglichen Schlagfolgen die mit den meisten geschlagenen Steinen zwingend gewählt werden muss – wörtlich: „The capture of the largest number of pieces has priority and is obligatory.“ Eine Dame hat dabei keinen Vorrang gegenüber einem einfachen Stein; beide zählen für die Längenberechnung der Kette gleich. Sind mehrere Ketten gleich lang, ist die Wahl zwischen ihnen frei.
Für die deutsche 8×8-Fassung enthält die geprüfte Ravensburger-Anleitung dagegen an keiner Stelle einen Mehrheitszwang – sie schreibt nur die allgemeine Schlagpflicht vor, nicht die Pflicht zur längsten Kette. Das ist bemerkenswert, weil mehrere verbreitete deutsche Ratgeberseiten im Netz für „Dame“ pauschal behaupten, es müsse immer die Schlagmöglichkeit mit den meisten Steinen gewählt werden – ohne nach Fassung zu unterscheiden.
Diese Behauptung stimmt für die internationale Fassung, aber nicht für das, was in der deutschen Verlagsquelle für die 8×8-Fassung tatsächlich steht. Wer sich also auf „im Internet steht aber…“ beruft, hat möglicherweise die falsche Fassung im Kopf.
Rückwärtsschlagen einfacher Steine: Die Abweichung innerhalb derselben Anleitung
Das ist der stärkste Einzelbefund dieser Seite, und er verdient einen eigenen Abschnitt: Zur Frage, ob ein einfacher Stein rückwärts schlagen darf, weichen nicht zwei verschiedene Verlage voneinander ab, sondern zwei Sprachfassungen derselben offiziellen Ravensburger-Anleitung (Nr. 20 545 5, © 2020).
Zunächst die Fassungslage klar getrennt: Für die internationale Dame 100 ist die FMJD-Regel eindeutig – „Capturing a piece of the opponent can be done both forwards and backwards“ (Schlagen ist sowohl vorwärts als auch rückwärts möglich), und zwar für einfache Steine ebenso wie für die Dame.
Für die angelsächsische Fassung ist die Sache ebenso eindeutig, nur in die andere Richtung: Die Science-Publikation zur gelösten Variante definiert sie ausdrücklich mit „pieces (checkers) moving forward one square diagonally“ – also nur vorwärts ziehend; dass sie auch nur vorwärts schlagen, bestätigt die englische Wikipedia („move and capture diagonally forward“).
Für die deutsche 8×8-Fassung sollte die Ravensburger-Anleitung diese Frage eindeutig beantworten. Der deutsche Text tut das auch, jedenfalls auf den ersten Blick: „Es wird immer nur vorwärts, nie rückwärts gezogen.“ Genau genommen regelt dieser Satz das Ziehen; im Abschnitt „Steine schlagen“ nennt der deutsche Text gar keine Richtung. „Nur vorwärts schlagen“ ist also eine naheliegende Auslegung, kein Wortlaut. Auch brettspielnetz.de, ein Online-Spielportal mit eigener Regelseite, bestätigt für die deutsche Fassung: „Einfache Steine dürfen nur vorwärts schlagen.“
Und dann der Bruch: Dieselbe Anleitung, derselbe PDF, nur die französische Sprachfassung weiter hinten im Dokument, formuliert dieselbe Stelle anders: „Un pion doit toujours avancer, jamais reculer (sauf pour une capture)“ – nie rückwärts, außer beim Schlagen –, und beim Schlagen selbst heißt es ausdrücklich „en avançant ou en reculant“.
| Deutsche Fassung (S. 3) | Französische Fassung (S. 7) | |
|---|---|---|
| Wortlaut | „Es wird immer nur vorwärts, nie rückwärts gezogen.“ | „il saute par-dessus lui sur cette case, en avançant ou en reculant“ – „er springt vorwärts oder rückwärts darüber“ |
| Bedeutung | Rückwärtsziehen ausgeschlossen, fürs Schlagen keine Richtungsangabe – gelesen als „nur vorwärts“ | Rückwärtsziehen ausgeschlossen „sauf pour une capture“ (außer beim Schlagen), Rückwärtsschlagen ausdrücklich erlaubt |
Zur Einordnung: Die italienische Fassung desselben Dokuments enthält an dieser Stelle gar keine Richtungsangabe, sondern beschreibt das Schlagen neutral. Damit liegen in einem einzigen, mehrsprachigen Verlagsdokument drei unterschiedliche Aussagen zu derselben Regel vor.
Ob hier ein echter Widerspruch vorliegt, hängt also davon ab, ob man das deutsche „nie rückwärts gezogen“ auch aufs Schlagen bezieht – das ist unsere Auslegung, kein belegter Fakt, und wir lösen die Abweichung deshalb nicht auf, sondern benennen sie. Für die deutsche 8×8-Fassung folgen wir dieser gängigen Lesart der deutschen Anleitung plus der unabhängigen Bestätigung durch brettspielnetz.de: nur vorwärts.
Einen sehr ähnlichen Fall – eine offizielle deutsche Regelquelle, die an einer einzelnen Stelle das Gegenteil des Originals sagt – dokumentieren wir auch bei den Backgammon-Regeln, dort beim Abtragen statt beim Schlagen.
💡 Faustregel: Bevor Sie über Rückwärtsschlagen streiten, klären Sie zuerst, welche Fassung Sie spielen. Bei der deutschen 8×8-Dame und beim angelsächsischen Checkers gilt „nur vorwärts“, bei der internationalen Dame 100 „vorwärts und rückwärts“ – und zwar für einfache Steine, nicht nur für die Dame.
Die Dame: fliegend oder nicht – und was beim bloßen Durchqueren passiert
Ein Stein wird zur Dame, sobald er die gegnerische Grundlinie erreicht und dort stehen bleibt – das ist laut FMJD-Regelwerk für die internationale Fassung ausdrücklich kodifiziert, und die Ravensburger-Anleitung beschreibt es für die deutsche Fassung ähnlich, nur ohne die Bedingung des Stehenbleibens: „Erreicht ein eigener Stein die Grundlinie seines Gegners, wird er zur Dame gekrönt.“
Ob die gekrönte Dame anschließend beliebig weit ziehen darf oder nur ein einzelnes Feld, trennt wieder die Fassungen klar:
- Deutsche Dame: fliegende Dame – sie darf „beliebig weit vorwärts und rückwärts
ziehen“, muss beim Schlagen aber direkt hinter dem geschlagenen Stein stehen bleiben.
- Internationale Dame 100 (FMJD): ebenfalls fliegende Dame, dabei aber mit größerer
Freiheit als in der deutschen Fassung – nach dem Schlag darf sie frei wählen, auf welchem freien Feld hinter dem geschlagenen Stein sie zum Stehen kommt.
- Angelsächsische Fassung: keine fliegende Dame. Sowohl die Science-Publikation als
auch die englischsprachige Fachliteratur sind eindeutig: Die Dame zieht „forward or backward one square“ – ein einzelnes Feld, genau wie ein einfacher Stein, nur eben in beide Richtungen.
Deutlich diffiziler ist die Frage, was passiert, wenn ein einfacher Stein die gegnerische Grundlinie während eines Mehrfachschlags nur durchquert, dort aber nicht endet, sondern in eine andere Reihe weiterspringt. Wird er dabei zur Dame, oder bleibt er einfacher Stein?
Für die internationale Fassung beantwortet die FMJD das ausdrücklich und eindeutig: Ein Stein, der bei einem Mehrfachschlag über die Umwandlungsreihe springt, aber auf einer anderen Reihe endet, bleibt bis zum Ende dieses Zuges ein einfacher Stein.
Für die deutsche 8×8-Fassung schweigt die geprüfte Ravensburger-Anleitung zu dieser Frage vollständig – sie regelt weder das eine noch das andere. Andere Regelseiten im Netz beantworten die Frage unterschiedlich, teils mit „wird sofort Dame“, teils mit „bleibt bis Zugende einfacher Stein“ – ohne dass sich eine dieser Angaben auf eine geprüfte Primärquelle stützen ließe.
Wir kennzeichnen diese Frage deshalb bewusst als offen: Für die deutsche Fassung gibt es dazu keine belastbar geklärte Antwort, nur die klare FMJD-Regel für die internationale Fassung. Klären Sie den Fall vor der Partie, falls er bei Ihnen überhaupt vorkommt – er ist selten, weil er einen Mehrfachschlag über die gegnerische Grundlinie hinweg voraussetzt.
Remis und Zugregeln: Präzise FMJD-Regeln gegen eine vage deutsche Formel
Kaum eine Frage frustriert länger als eine Partie, die sich nicht mehr entscheidet. Hier liefert die internationale Fassung den klarsten praktischen Nutzen dieser Seite, weil die FMJD-Regeln (Annex 1, Art. 6) exakte, nachzählbare Kriterien nennen:
| Regel | Bedingung |
|---|---|
| Dreifache Stellungswiederholung | Dieselbe Stellung tritt dreimal auf, mit derselben Person am Zug → Remis |
| 25-Züge-Regel | 25 aufeinanderfolgende Züge je Seite, in denen nur Damen gezogen haben und kein Stein bewegt oder geschlagen wurde → Remis |
| Endspiel gegen eine einzelne Dame (3 Damen, 2 Damen + 1 Stein oder 1 Dame + 2 Steine, jeweils gegen 1 Dame) | maximal 16 weitere Züge je Seite, danach Remis – außer der 16. Zug blockiert die Gegenseite oder nimmt ihr den letzten Stein |
| Einfachstes Damen-Endspiel (2 Damen, 1 Dame + 1 Stein, oder Dame gegen Dame) | maximal 5 weitere Züge je Seite, danach automatisch Remis |
Diese Zügeregeln sind exakt zitierbar, weil die FMJD als Weltverband sie als Turnierregelwerk kodifiziert hat. Zum Vergleich: Der Verein für das Brettspiel Dame e.V., der sich als Interessengemeinschaft für die 10×10-Fassung in Deutschland versteht (Verbandsstatus ungeklärt), nennt für dasselbe Endspiel an anderer Stelle abweichend 10 statt 16 Züge – eine weitere, unaufgelöste Diskrepanz zwischen Weltverband und Verein. Für diese Seite folgen wir durchgehend der FMJD-Primärquelle als Weltverband.
Die deutsche Ravensburger-Anleitung für die 8×8-Fassung bleibt demgegenüber auffällig vage. Zum Remis heißt es dort nur, es entstehe, „wenn beispielsweise jeder nur noch eine Dame besitzt, die er nicht opfern möchte“ – eine Beschreibung des Gefühls, keine nachzählbare Regel. Für die deutsche 8×8-Fassung existiert also keine belegte, präzise Zügeregel; wer eine endlose Partie objektiv beenden will, kann sich nur an der internationalen Fassung orientieren oder vorher eine eigene Zügegrenze vereinbaren.
Blasen/Pusten: erlaubte Hausregel, in keiner Fassung Standardregel
„Blasen“ – das Herausnehmen eines Steins zur Strafe, wenn seine Besitzerin oder ihr Besitzer eine Schlagpflicht übersehen hat – ist eine der bekanntesten Dame-Traditionen. Laut allen drei geprüften Quellen ist sie aber in keiner Fassung Standardregel, sondern nur in der deutschen Verlagsanleitung als vereinbarbare Variante vorgesehen; das FMJD-Regelwerk kennt sie gar nicht, im US-Turnierbetrieb wurde sie abgeschafft.
Die Ravensburger-Anleitung formuliert es für die deutsche Fassung klar als Variante: „Der Stein, der eine Schlagmöglichkeit übersehen hat, wird zur Strafe vom Spielbrett genommen, was nicht als Zug gewertet wird. Das nennt man ‚Blasen‘. Es wird vor Spielbeginn vereinbart, ob mit dieser Regel gespielt wird.“ Bemerkenswert: An dieser Stelle stimmen deutsche und französische Sprachfassung – anders als beim Rückwärtsschlagen – wieder überein; die französische Fassung trägt für dieselbe Variante sogar die feststehende Redewendung „Souffler n’est pas jouer!“ („Blasen ist nicht Spielen!“).
Für die internationale Fassung bestätigt auch die FMJD-Regel, dass ein übersehener Schlag nicht durch Wegnehmen bestraft wird – stattdessen darf die Gegenseite wählen, ob der Fehler korrigiert wird oder bestehen bleibt.
Für die angelsächsische Fassung liegt die Sache historisch sogar noch klarer: Die sogenannte Huff-Regel – das englische Pendant zum Blasen – wurde in der US-amerikanischen Turniergeschichte laut einem historischen Rückblick bereits 1924 offiziell aus dem nationalen Turnierreglement gestrichen. In Hobby-Runden lebt sie bis heute als informelle Hausregel weiter, ganz gleich, welche Fassung eigentlich gespielt wird.
💡 Faustregel: Blasen ist in keiner der drei Fassungen Standard – sagen Sie es vor der Partie ausdrücklich an, wenn Ihre Runde damit spielen will. Ohne Ansage gilt: Ein übersehener Schlag kostet keinen Stein, die Gegenseite kann aber verlangen, dass er nachgeholt wird.
Ganz anders liegt der Fall übrigens bei Regeln, die nicht in der Anleitung, sondern nur als reine Hausregel im Umlauf sind, ohne dass eine Verlagsquelle sie überhaupt erwähnt – ein Muster, das auch bei den Regeln zu Mensch ärgere Dich nicht mehrfach auftaucht, dort sogar mit einer eigenen Preisliste, was jede Hausregel die Partie kostet.
Wo die Regeln schweigen: drei offene Punkte
Nicht jede Frage lässt sich mit den geprüften Quellen abschließend klären. Das offen zu benennen, ist ehrlicher, als eine Antwort zu erfinden:
| Offener Punkt | Stand der Quellen | Praktikable Handhabung |
|---|---|---|
| Durchqueren der letzten Reihe bei der deutschen 8×8-Fassung | Ravensburger-Anleitung schweigt dazu vollständig; nur die FMJD regelt es für die internationale Fassung | Vor der Partie ansagen, ob ein durchquerender Stein sofort Dame wird oder nicht |
| Ist „Checkers ist gelöst“ eine Aussage über die deutsche Fassung? | Nein – der Beweis von Schaeffer et al. (2007) gilt explizit nur für die angelsächsische Fassung mit nicht-fliegender Dame | Einordnung und Kontext dazu im Dame-Portrait |
| Konkrete Spieldauer in Minuten | Keine Spielanleitung und keine Verbandsquelle nennt eine Zahl, nur das Produktdatenblatt des Spieltz Verlags (20–30 Minuten) | Die Spieltz-Angabe als grobe Orientierung, nicht als allgemeingültiger Wert |
Zum zweiten Punkt kurz ausgeschrieben, weil er häufig missverstanden wird: 2007 hat ein Forscherteam um Jonathan Schaeffer mit dem Programm Chinook mathematisch bewiesen, dass perfektes Spiel auf beiden Seiten zu einem Remis führt. Dieser Beweis gilt aber ausdrücklich für die Fassung mit nicht-fliegender Dame – und damit auch mit reinem Vorwärtsschlagen einfacher Steine – also für die angelsächsische, nicht für die deutsche 8×8-Fassung mit ihrer fliegenden Dame.
Die ausführliche Einordnung dazu, samt der Frage, was das für die internationale Fassung bedeutet (dort ist bislang nur ein Teil des Spielbaums gelöst), gehört ins Dame-Portrait – hier genügt der Hinweis, dass die Aussage „Dame ist gelöst“ ohne Fassungsangabe unpräzise ist.
Häufige Fragen zu den Dame-Regeln
Muss man beim Dame schlagen, wenn man kann?
Ja, in allen drei Fassungen. Schlagzwang gilt fassungsübergreifend als Standard – sowohl laut FMJD-Regelwerk für die internationale Dame 100 als auch laut Ravensburger-Anleitung für die deutsche 8×8-Fassung und laut den Regeln der angelsächsischen Fassung. Ein möglicher Schlag muss ausgeführt werden, auch wenn er taktisch nachteilig ist.
Was passiert, wenn eine Schlagmöglichkeit übersehen wird?
In keiner der drei Fassungen ist „Blasen“ (Wegnehmen des Steins zur Strafe) die Standardregel – als optionale Variante führt es nur die Ravensburger-Anleitung, die FMJD-Regeln sehen es gar nicht vor. Ohne vorherige Ansage gilt: Der übersehene Schlag wird nicht mit Steinverlust bestraft; laut deutscher Ravensburger-Anleitung und FMJD-Regel darf die Gegenseite aber verlangen, dass korrigiert wird.
Darf ein einfacher Stein beim Dame rückwärts schlagen?
Kommt auf die Fassung an. Bei der internationalen Dame 100 (FMJD) ja, ausdrücklich für Vorwärts- und Rückwärtsschlagen kodifiziert. Bei der deutschen 8×8-Fassung und beim angelsächsischen Checkers nein – dort schlagen einfache Steine nur vorwärts, nur die Dame darf rückwärts.
Wie weit darf die Dame ziehen?
Bei deutscher und internationaler Dame beliebig weit über freie Felder derselben Diagonale („fliegende Dame“). Beim angelsächsischen Checkers dagegen nur ein einzelnes Feld vor- oder rückwärts – dort gibt es keine fliegende Dame.
Darf eine Dame eine gegnerische Dame schlagen?
Ja, in allen drei Fassungen. Die Dame ist beim Schlagen nicht besser geschützt als ein einfacher Stein; sie darf ebenso geschlagen werden, wie sie selbst schlagen darf.
Welche Schlagkette ist Pflicht, wenn mehrere Schlagmöglichkeiten bestehen?
Nur bei der internationalen Dame 100 gilt der FMJD-Mehrheitszwang: Pflicht ist die Kette mit den meisten geschlagenen Steinen, Damen zählen dabei nicht mehr als einfache Steine. Die Ravensburger-Anleitung für die deutsche 8×8-Fassung erwähnt keinen Mehrheitszwang – nach ihrem Wortlaut reicht also jede legale Schlagmöglichkeit.
Wie viele Steine hat jeder Spieler bei Dame?
Bei deutscher und angelsächsischer Fassung 12 Steine auf einem 8×8-Brett, bei der internationalen Dame 100 20 Steine auf einem 10×10-Brett. Beide Zahlen sind Fassungssache, nicht austauschbar.
Ist Dame ein mathematisch gelöstes Spiel?
Nur die angelsächsische Fassung mit nicht-fliegender Dame gilt seit 2007 als mathematisch bewiesen remis bei beidseitig perfektem Spiel (Schaeffer et al., Chinook). Für die deutsche 8×8-Fassung mit ihrer fliegenden Dame und für die internationale Fassung gilt dieser Beweis nicht unmittelbar.
Fazit: Erst die Fassung klären, dann schlagen
Der wichtigste Satz dieser Seite betrifft keine einzelne Regel, sondern eine Reihenfolge: Klären Sie vor der ersten Partie, ob Sie deutsche 8×8-Dame, internationale Dame 100 oder angelsächsisches Checkers spielen. Daran hängen Rückwärtsschlagen, Mehrheitszwang und die Reichweite der Dame – die drei Punkte, an denen die meisten Tischstreits entstehen. Wo selbst die offizielle Anleitung zwischen ihren Sprachfassungen voneinander abweicht, wie beim Rückwärtsschlagen, hilft nur eine klare Ansage vor dem ersten Zug.
Wer wissen möchte, für wen sich welche Fassung eigentlich lohnt und was die Chinook-Lösung von 2007 für die Spielpraxis tatsächlich bedeutet, findet die Einordnung im Dame-Portrait.