· Von Stefan
Schnelle Antwort: Splendor besteht aus 90 Entwicklungskarten (40/30/20 je Stufe) mit 140 Prestigepunkten plus 10 Adligen mit je 3 Punkten. Ein Punkt kostet im Listenpreis 4,00 Edelsteine auf Stufe 1, 3,73 auf Stufe 2 und 2,69 auf Stufe 3; die günstigsten Punkte liefern Karten mit Kosten in nur einer Farbe (1,75 je Punkt). In der Spielstrategen-Simulation braucht der Sieger 26–29 eigene Züge und kauft 11–14 Karten.
Wer Splendor ein paarmal gespielt hat, kennt die Fragen, die am Tisch niemand beantworten kann: Ist die 14er-Karte für 3 Punkte ein guter Kauf? Lohnt der Adlige noch, wenn dafür acht Karten nötig sind? Und warum ist die Partie nach 27 Zügen vorbei, obwohl gerade erst die Punkte anlaufen? Die deutschen Regel- und Rezensionsseiten nennen die Kartenzahlen 40/30/20 – und hören dort auf.
Diese Seite geht weiter: Wir haben alle Splendor-Karten einzeln ausgezählt, jedes Kostenmuster in Edelsteine je Punkt umgerechnet, die 10 Adligen kombinatorisch geprüft und 2.000 Partien je Konstellation mit fünf Strategie-Profilen simuliert. Eine Kostprobe: Die 1-Punkt-Karten der Stufe 2 kosten mit 7–8 Edelsteinen je Punkt mehr als das Vierfache der besten Stufe-3-Karte. Wie bei allen Datenposts in unserem Spiele-Portal steht die Methodik samt Grenzen offen im Text; was Splendor als Spiel ausmacht, ordnet das Splendor-Portrait ein.
Splendor in Zahlen: die Kernaussagen
Jede dieser Aussagen stammt aus unserer eigenen Auszählung oder Simulation (Details und Grenzen im Methodik-Kapitel):
- 170 Punkte stecken im Spiel (140 auf Karten, 30 auf Adligen); zum Sieg braucht es 15 – weniger als 9 % davon.
- Punkte werden nach oben billiger: 4,00 → 3,73 → 2,69 Edelsteine je Punkt von Stufe 1 bis 3 – aber nur mit Boni ist der Listenpreis der Stufe 3 (7–14 Edelsteine) überhaupt bezahlbar.
- Ein-Farben-Karten (5, 6, 7 einer Farbe) sind die günstigsten Punkte im Spiel (1,75–2,50 je Punkt); die 1-Punkt-Karten der Stufe 2 mit 7,00–8,00 die teuersten.
- Die Farbnachfrage ist exakt symmetrisch: jede Farbe wird auf 43 Karten mit zusammen 117 Edelsteinen gefordert, ist auf 18 Karten Bonus und steht auf 5 Adligen. Eine „starke Farbe“ gibt es nicht.
- Zwei Adlige gleichzeitig brauchen minimal 11, maximal 17 Karten.
- In der Simulation schlägt der Bonus-Motor den Punkte-Sprint zu zweit mit 65,2 % – robust über alle Gewichtsvarianten (64,8–68,5 %); der Überholpunkt liegt bei Zug 23.
- Sieger kaufen mehr Karten als Verlierer (12,1 vs. 11,5), nicht weniger, und holen etwa doppelt so viele Adlige wie der Durchschnitt.
- Der Startspieler gewinnt zu zweit 52,0 %, zu dritt 33,9 %, zu viert 26,5 % – ein minimaler, kein spielentscheidender Vorteil.
Splendor-Kartenverteilung: 40/30/20 Karten, 5/55/80 Punkte
Die 90 Entwicklungskarten sind so verteilt, dass 35 der 40 Stufe-1-Karten gar keine Punkte bringen – sie sind reine Bonus-Lieferanten. Alle Stufe-2- und Stufe-3-Karten haben Punkte:
| Stufe | Karten | Punkte gesamt | Ø Punkte je Karte | Ø Kosten je Karte | davon ohne Punkte |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 40 | 5 | 0,12 | 4,12 | 35 |
| 2 | 30 | 55 | 1,83 | 6,83 | 0 |
| 3 | 20 | 80 | 4,00 | 10,75 | 0 |
| Gesamt | 90 | 140 | – | – | 35 |
Dazu kommen 10 Adligen-Plättchen mit je 3 Punkten, also 30 weitere. Von den 170 Punkten im Spiel braucht ein Sieger 15 – ein Blick auf die Tabelle zeigt, warum die Partie so kurz ist: Schon vier Stufe-3-Karten reichen rechnerisch aus. Wie diese Karten überhaupt gekauft, reserviert und bezahlt werden, fassen die Splendor-Kurzregeln zusammen.
Je Stufe und Farbe ist das Deck exakt gleich groß: 8 Stufe-1-, 6 Stufe-2- und 4 Stufe-3-Karten liefern jeweils einen bestimmten Bonus. Diese Invarianten haben wir für beide Datenquellen der Kartenliste geprüft (siehe Methodik).
Was kostet ein Prestigepunkt? 4,00 / 3,73 / 2,69 Edelsteine je Stufe
Im Listenpreis (ohne Boni) kostet ein Punkt auf Stufe 1 exakt 4,00 Edelsteine, auf Stufe 2 3,73 und auf Stufe 3 nur 2,69. Punkte werden nach oben also um ein Drittel billiger. Die Rechnung: Stufe 1 hat 5 Punktkarten mit 20 Edelsteinen Kosten für 5 Punkte; Stufe 2 205 Kosten für 55 Punkte; Stufe 3 215 Kosten für 80 Punkte. Dieselben Werte (4,0/3,7/2,7) ermittelte Jordan Barber bereits 2014 in einer unabhängigen Kartenauszählung (boardgamebase.wordpress.com) – unsere Zählung bestätigt sie punktgenau.
Aussagekräftiger als der Stufenschnitt ist die Rangliste der elf Kostenmuster, denn innerhalb einer Stufe schwankt der Preis je Punkt um den Faktor 4:
| Rang | Stufe | Kostenmuster | Punkte | Edelsteine je Punkt | Karten |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 3 | 7 einer Farbe | 4 | 1,75 | 5 |
| 2 | 2 | 6 einer Farbe | 3 | 2,00 | 5 |
| 2 | 3 | 7 + 3 | 5 | 2,00 | 5 |
| 4 | 2 | 5 einer Farbe | 2 | 2,50 | 5 |
| 5 | 3 | 6 + 3 + 3 | 4 | 3,00 | 5 |
| 6 | 2 | 4 + 2 + 1 | 2 | 3,50 | 5 |
| 7 | 1 | 4 einer Farbe | 1 | 4,00 | 5 |
| 7 | 2 | 5 + 3 | 2 | 4,00 | 5 |
| 9 | 3 | 5 + 3 + 3 + 3 | 3 | 4,67 | 5 |
| 10 | 2 | 3 + 2 + 2 | 1 | 7,00 | 5 |
| 11 | 2 | 3 + 3 + 2 | 1 | 8,00 | 5 |
Drei Lesarten: Die Ein-Farben-Karten (5, 6 und 7 einer Farbe) belegen drei der vier Spitzenplätze. Die 14er-Karte (5+3+3+3 für 3 Punkte) ist mit 4,67 die schlechteste Stufe-3-Karte – in Foren wird sie gelegentlich mit der 12er-Karte verwechselt, die 4 Punkte für 3,00 je Punkt bringt. Und die 1-Punkt-Karten der Stufe 2 taugen nie als Punktquelle, nur als Bonus-Lieferant.
💡 Faustregel: Ein Kostenmuster mit nur einer Farbe ist fast immer ein guter Punktekauf; ein Muster mit drei Farben und einem Punkt fast nie. Was zwischen diesen Polen liegt, entscheidet Ihre Bonus-Auslage.
Der Listenpreis ist allerdings nur die halbe Wahrheit: Was ein Bonus davon abzieht, steht im nächsten Abschnitt.
Farbnachfrage und Boni: keine Farbe ist stärker – aber Nachbarn zahlen doppelt
Alle fünf Farben werden im Deck exakt gleich stark nachgefragt. Jede Farbe erscheint auf 43 Karten als Kostenanteil, in Summe 117 Edelsteine (33 auf Stufe 1, 41 auf Stufe 2, 43 auf Stufe 3), ist auf 18 Karten Bonus und wird auf 5 der 10 Adligen verlangt. Die Blog-Empfehlung „im Zweifel Weiß kaufen“ hat im Kartensatz keine Grundlage – welche Farbe wertvoll ist, entscheidet allein die aktuelle Auslage.
Asymmetrisch ist dagegen die Paarung der Farben. Von den 90 Karten kosten 25 nur eine Farbe, 20 genau zwei, 30 drei und 15 vier. Bei den Zwei-Farben-Karten zeigt sich ein Muster:
| Farbpaar | Karten, deren Kosten nur aus diesen zwei Farben bestehen | Zusatz |
|---|---|---|
| Weiß+Blau, Blau+Grün, Grün+Rot, Rot+Schwarz, Schwarz+Weiß („Nachbarn“) | je 13 (14 %) | je ein 4+4-Adliger fordert genau dieses Paar |
| Weiß+Grün, Blau+Rot, Blau+Schwarz, Grün+Schwarz, Weiß+Rot | je 11 (12 %) | kein passender 4+4-Adliger |
Die fünf Nachbar-Paare im Farbzyklus Weiß–Blau–Grün–Rot–Schwarz–Weiß decken also mehr Karten ab und sind zugleich die fünf 4+4-Adligen. Wer zwei Farben fokussiert, bedient mit Nachbarfarben Karten und Adlige gleichzeitig.
Wie viel ein Bonus konkret spart, lässt sich ebenfalls auszählen: Jede Farbe wird auf 20 von 40 Stufe-1-Karten (50 %), 13 von 30 Stufe-2-Karten (43 %) und 10 von 20 Stufe-3-Karten (50 %) gefordert. Ein Bonus spart bei rund jeder zweiten künftigen Karte einen Edelstein – pro Kauf, für den Rest der Partie. Vier Boni einer Farbe machen aus der 7er-Karte (1,75 je Punkt) einen 3-Edelsteine-Kauf für 4 Punkte.
Splendor-Adlige in Zahlen: 8–9 Karten für 3 Punkte
Die 10 Adligen fordern entweder 4+4 Boni zweier Nachbarfarben (5 Plättchen) oder 3+3+3 Boni dreier aufeinanderfolgender Farben (5 Plättchen). Je Partie liegen Spielerzahl+1 aus, also 3, 4 oder 5. Zwei Kennzahlen aus der kombinatorischen Prüfung:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Karten für einen 4+4-Adligen | 8 |
| Karten für einen 3+3+3-Adligen | 9 |
| Karten für zwei Adlige gleichzeitig (minimal) | 11 (z. B. 4 Weiß + 4 Blau + 3 Grün deckt „4W4B“ und „3W3B3G“) |
| Karten für zwei Adlige gleichzeitig (maximal) | 17 |
| Adligen-Paare mit 2 / 1 / 0 gemeinsamen Farben | 15 / 20 / 10 von 45 |
| Ø Kosten von 8 Stufe-1-Karten (vor Boni) | rund 33 Edelsteine |
Die letzte Zeile ist der Kern der Adligen-Frage: Acht Stufe-1-Karten kosten im Schnitt rund 33 Edelsteine für 3 Punkte – eine 7er-Karte der Stufe 3 kostet 7 Edelsteine für 4 Punkte. Als Ziel an sich ist ein Adliger rechnerisch der teuerste Weg zu Punkten im Spiel. Er lohnt, wenn die Karten ohnehin auf dem Weg liegen: Ein-Farben-Karten der Stufe 2 und 3 fordern genau die Farben, die man dann als Bonus stapelt.
Ob Adlige trotzdem Sieger von Verlierern unterscheiden, beantwortet die Simulation weiter unten – die Antwort ist ein klares „ja, aber“.
Kostenmuster je Stufe: was in den Stapeln steckt
Jedes Kostenmuster kommt exakt fünfmal vor – einmal je Bonusfarbe. Damit lässt sich für jede Stufe vorhersagen, was die Auslage bringen kann:
| Stufe | Kostenmuster (Summe) | Karten | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | 2+1 (3) · 3 (3) · 1+1+1+1 (4) · 2+2 (4) · 4 (4) · 2+1+1+1 (5) · 2+2+1 (5) · 3+1+1 (5) | je 5 | nur „4 einer Farbe“: 1 Punkt |
| 2 | 5 (5) · 6 (6) · 3+2+2 (7) · 4+2+1 (7) · 3+3+2 (8) · 5+3 (8) | je 5 | 2 · 3 · 1 · 2 · 1 · 2 |
| 3 | 7 (7) · 7+3 (10) · 6+3+3 (12) · 5+3+3+3 (14) | je 5 | 4 · 5 · 4 · 3 |
Zwei Folgerungen: Fünf der acht Stufe-1-Muster brauchen 2–4 Farben – dazu passt der Standardzug „3 verschiedene Chips“. Alle 2+-Punkte-Karten der Stufe 2 und die effizientesten Stufe-3-Karten brauchen dagegen mindestens 5 einer Farbe – dazu passt „2 gleiche Chips“, sobald das Ziel feststeht. Der Streit „2 gleiche oder 3 verschiedene“ ist im Kartensatz eine Phasenfrage, keine Glaubensfrage.
Splendor: Wie viele Züge dauert eine Partie? 26–29 in der Simulation
In unserer Simulation braucht der Sieger je nach Profil und Spielerzahl 25,8 bis 29,3 eigene Züge; die Partie ist also nach rund 27 Runden vorbei. Zu viert geht es etwas schneller als zu zweit, weil mehr Chips im Vorrat liegen (7 statt 4 je Farbe). Auszug aus den Spiegelpartien (alle Spieler dasselbe Profil, 2.000 Partien je Zeile):
| Profil | Spieler | Züge des Siegers | Karten je Spieler | davon Stufe 1 | Adlige je Spieler |
|---|---|---|---|---|---|
| Motor (erst Boni, spät Punkte) | 2 / 4 | 27,3 / 25,8 | 14,0 / 13,4 | 8,9 / 9,2 | 0,67 / 0,64 |
| Sprint (Punkte von Anfang an) | 2 / 4 | 29,0 / 27,5 | 12,6 / 11,3 | 6,8 / 6,1 | 0,28 / 0,19 |
| Ausgewogen | 2 / 4 | 28,4 / 26,6 | 12,6 / 11,6 | 6,8 / 6,5 | 0,36 / 0,30 |
| Adlige (baut auf ausliegende Adlige) | 2 / 4 | 27,8 / 26,3 | 13,4 / 12,9 | 8,5 / 8,8 | 0,77 / 0,74 |
| Blocker (reserviert Gegner-Ziele) | 2 / 4 | 28,4 / 26,7 | 12,6 / 11,6 | 6,9 / 6,5 | 0,38 / 0,31 |
Der Sieger hat dabei stets 16,1–16,3 Punkte – der Zielwert 15 wird meist um einen Punkt überschritten. Diese absoluten Zahlen sind Bot-Werte und nur als Größenordnung zu lesen.
Sie passen aber zu den Menschen-Daten, die uns bekannt sind: Eine Auswertung von 7.307 Partien auf der Online-Plattform Spendee (Forum-Analyse „Kim“, ca. 2015/16) nennt 25–30 Züge als Regelfall, 11–13 gekaufte Karten je Sieger (zu zweit ~13, zu viert ~11) und weniger als einen Adligen je Sieg. Unsere Bots liegen bei den Karten am oberen Rand – sie planen nicht voraus und kaufen deshalb eher eine Karte zu viel als zu wenig.
Strategie-Turnier: Motor 65 %, Sprint verliert gegen alles
Im Zweier-Turnier gewinnt das Motor-Profil gegen den Punkte-Sprint 65,2 % der Partien; der Sprint verliert gegen jedes andere Profil. Siegquote der Zeile gegen die Spalte, Startspieler wechselnd, 2.000 Partien je Paarung:
| Motor | Sprint | Ausgewogen | Adlige | Blocker | Schnitt | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Motor | – | 65,2 % | 60,2 % | 47,6 % | 58,6 % | 57,9 % |
| Sprint | 30,8 % | – | 41,8 % | 34,8 % | 43,1 % | 37,6 % |
| Ausgewogen | 39,6 % | 57,8 % | – | 41,3 % | 48,5 % | 46,8 % |
| Adlige | 53,4 % | 68,5 % | 57,0 % | – | 60,1 % | 59,8 % |
| Blocker | 40,3 % | 58,2 % | 50,3 % | 38,8 % | – | 46,9 % |
Drei Befunde stechen heraus. Der Blocker ist ein Ausgewogen-Profil mit Reservier-Reflex – und gewinnt exakt gleich oft (46,9 vs. 46,8 %): Reflexhaftes Blockieren kostet den Zug, den der Gegner zum Aufbau nutzt. Das Adligen-Profil ist im Kern ein Motor mit Farbfokus; die Adligen-Anforderungen erzwingen zwei bis drei Farben und damit dichte Boni. Und je voller der Tisch, desto stärker wird dieser Fokus:
| Profil | 3er-Tisch (Gleichstand 33,3 %) | 4er-Tisch (Gleichstand 25 %) |
|---|---|---|
| Adlige | 44,6 % | 35,4 % |
| Motor | 36,2 % | 25,1 % |
| Ausgewogen | 31,8 % | 23,1 % |
| Blocker | 29,9 % | 23,3 % |
| Sprint | 24,2 % | 18,1 % |
Zu dritt und zu viert liegen 4 bzw. 5 Adlige aus statt 3, und die Chips sind pro Kopf knapper – Boni wiegen schwerer. Wie sich diese Befunde in konkrete Zugentscheidungen übersetzen, zeigt der Splendor-Strategie-Guide mit Phasenplan.
Was Gewinner auszeichnet: mehr Karten, doppelt so viele Adlige, kein Stufe-1-Deckel
Sieger kaufen mehr Karten als Verlierer, holen etwa doppelt so viele Adlige – und unterscheiden sich bei der Zahl der Stufe-1-Karten praktisch nicht. Auszug aus zwei Konstellationen:
| Merkmal | 4× Ausgewogen (Sieger vs. Verlierer) | Gemischter 4er-Tisch (Sieger vs. Verlierer) |
|---|---|---|
| Karten gesamt | 12,1 vs. 11,5 | 12,9 vs. 11,9 |
| Stufe-1-Karten | 6,3 vs. 6,6 | 7,9 vs. 7,6 |
| Adlige | 0,74 vs. 0,31 (alle) | 1,23 vs. 0,58 (alle) |
| Reservierungen | 1,55 vs. 1,59 (alle) | 1,62 vs. 1,67 (alle) |
Damit lösen sich zwei Foren-Widersprüche auf. „Wenige Karten gewinnen“ gilt in Anekdoten, nicht in Daten – Sieger kaufen mehr, weil sie schneller kaufen. Und „Sieger holen weniger als einen Adligen“ schließt nicht aus, dass viele Siege mindestens einen enthalten: Bei 0,74 im Mittel sind Adlige der Unterscheider, aber kein Muss.
Auch die verbreitete Faustregel „maximal X billige Karten“ hält nicht. Wir haben dem Ausgewogen-Profil einen harten Deckel für Stufe-1-Käufe verordnet und es gegen die Standardversion spielen lassen:
| Stufe-1-Deckel | 2 | 4 | 6 | 8 | 12 |
|---|---|---|---|---|---|
| Siegquote gegen Standard | 47,1 % | 50,0 % | 52,2 % | 51,0 % | 53,4 % |
Ein Deckel hilft nicht; ein zu enger (≤2) schadet messbar. In 72 % der Siege im 4er-Spiegel hatte der Gewinner 5–7 Stufe-1-Karten. Entscheidend ist nicht die Stufe einer Karte, sondern ob sie auf ein Ziel einzahlt.
Wie belastbar ist der Kernbefund „Motor schlägt Sprint“? Wir haben fünf Gewichte der Bot-Heuristik einzeln um ±30 % verändert. Die Siegquote des Motors blieb in allen zehn Varianten zwischen 64,8 und 68,5 % (Referenz 65,2 %) – das Ergebnis ist kein Artefakt einer Gewichtswahl.
Startspieler und Tempo-Kurve: der Überholpunkt liegt bei Zug 23
Der Startspieler gewinnt in der Simulation zu zweit 52,0 %, zu dritt 33,9 % und zu viert 26,5 % – gegenüber 50 / 33,3 / 25 % bei Gleichverteilung. Der Vorteil ist messbar, aber klein; die Regel, die laufende Runde zu Ende zu spielen, neutralisiert ihn weitgehend. Die Spendee-Auswertung menschlicher Partien fand gar keinen Startspieler-Vorteil. Eine Ausgleichs-Hausregel braucht Splendor also nicht.
Die aufschlussreichste Kurve der Simulation zeigt, wann die Punkte fallen. Mittlere Punkte nach eigenem Zug, Motor gegen Sprint zu zweit:
| Zug | 5 | 10 | 15 | 20 | 22 | 23 | 25 | 27 | 28 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Motor | 0,1 | 0,6 | 1,8 | 4,4 | 6,1 | 7,2 | 9,7 | 11,9 | 12,9 |
| Sprint | 0,1 | 0,9 | 2,4 | 5,0 | 6,3 | 7,2 | 8,9 | 10,4 | 11,1 |
Der Sprinter führt bis Zug 22, dann überholt der Motor und zieht in den letzten fünf Zügen um rund 2 Punkte davon. Beide Profile brauchen bis Zug 15 für die ersten 2 Punkte. Splendor ist ein Spiel, in dem der Großteil der Punkte in den letzten 40 % der Züge fällt – wer nach zehn Zügen mit 1 Punkt dasteht, liegt im Plan.
💡 Faustregel: Bis etwa Zug 15 zählen Boni und Farbfokus, danach nur noch Punkte – und um Zug 27 ist Schluss. Wer diese Deadline kennt, kauft die letzten Karten nicht zu spät.
Methodik: So sind die Zahlen entstanden – und wo ihre Grenzen liegen
Alle Zahlen dieser Seite stammen aus zwei eigenen, reproduzierbaren Analysen (Python, versionierte Skripte). Es handelt sich um eine Auszählung und Simulation der Spielmechanik – nicht um einen Spieletest, nicht um Turniererfahrung und nicht um Auswertungen menschlicher Partien.
- Kartenstatistik (deterministisch): Grundlage ist eine Liste aller 90 Entwicklungskarten aus zwei unabhängigen Open-Source-Projekten (eines davon per Foto-Extraktion aus einer echten Schachtel). 72 der 90 Karten sind in beiden Quellen identisch; die 18 weißen Karten waren in der zweiten Quelle nicht maschinenlesbar und sind damit nur einfach belegt. Die Invarianten – 40/30/20 Karten, 8/6/4 Karten je Farbe und Stufe, 5/55/80 Punkte – stimmen. Die 10 Adligen wurden gegen ein drittes Repository verifiziert.
- Partiesimulation (heuristische Bots): Fünf Profile mit derselben Zugheuristik, aber anderen Gewichten (Motor, Sprint, Ausgewogen, Adlige, Blocker), 2.000 Partien je Konstellation, Seed dokumentiert, Startspieler wechselnd, Chip-Vorrat und Adligen-Zahl nach Spielerzahl. Ausgewertet wurden Spiegelpartien, ein Zweier-Turnier aller Paarungen, alle 3er- und 4er-Kombinationen mit rotierendem Sitz, Gewinner-Merkmale, Startspieler-Vorteil und die Tempo-Kurve.
Grenzen – ehrlich benannt: Die Bots planen nicht voraus, modellieren den Gegner nicht (außer dem Blocker) und reizen die letzte Runde nicht aus. Absolute Werte wie Zugzahl und Kartenzahl sind deshalb Größenordnungen; belastbar sind die Vergleiche zwischen ansonsten identischen Serien. Das Reservieren ist im Modell schwächer als bei Menschen – „Blockieren lohnt nicht“ gilt für den Reflex, nicht für die eine kritische Endspiel-Reservierung. Und der Sprint-Bot bildet die menschliche „nur Stufe 3″-Linie nur grob ab; ein Bot mit Vorausschau könnte den Befund „Motor schlägt Sprint“ schärfen oder relativieren. Als externe Anker dienen die Kartenauszählung von Jordan Barber (2014) und die Spendee-Auswertung von 7.307 Menschen-Partien – beide liegen in derselben Größenordnung wie unsere Werte.
Zitieren: Spielstrategen (2026): „Splendor in Zahlen: alle 90 Karten ausgezählt, Adlige gerechnet, Züge simuliert“, https://spielstrategen.de/spiele/splendor/zahlen/ – eigene Simulationen und Berechnungen, Stand: August 2026. Zahlen dürfen mit Quellenangabe übernommen werden.
Häufige Fragen zu Splendor-Karten und -Zahlen
Wie viele Karten hat Splendor?
90 Entwicklungskarten und 10 Adligen-Plättchen. Die Karten verteilen sich auf 40 der Stufe 1 (5 Punkte gesamt, 35 ohne Punkte), 30 der Stufe 2 (55 Punkte) und 20 der Stufe 3 (80 Punkte). Je Stufe und Bonusfarbe sind es exakt 8, 6 und 4 Karten – kein Bonus ist im Deck bevorzugt.
Wie viele Züge dauert eine Splendor-Partie?
Rund 25–30 eigene Züge je Spieler. In unserer Simulation braucht der Sieger 26–29 Züge, eine Auswertung von 7.307 Menschen-Partien auf Spendee nennt 25–30 als Regelfall; die schnellsten dokumentierten Siege lagen bei 19 Zügen. Zu viert endet die Partie etwas früher als zu zweit, weil mehr Chips im Vorrat sind.
Welche Splendor-Karten sind die besten?
Karten mit Kosten in nur einer Farbe. Die 7er-Karte der Stufe 3 liefert 4 Punkte für 1,75 Edelsteine je Punkt, die 6er der Stufe 2 3 Punkte für 2,00, die 5er 2 Punkte für 2,50. Am teuersten sind die 1-Punkt-Karten der Stufe 2 (7,00–8,00 je Punkt) und die 14er-Karte der Stufe 3 (4,67).
Lohnen sich Adlige in Splendor?
Als Beifang ja, als Ziel selten. Ein Adliger verlangt 8 oder 9 Karten in festen Farben – acht Stufe-1-Karten kosten im Schnitt rund 33 Edelsteine für 3 Punkte. In der Simulation holen Sieger trotzdem etwa doppelt so viele Adlige wie der Durchschnitt, weil ein Farbfokus Karten und Adlige gleichzeitig bedient. Zu dritt und zu viert ist der Adligen-Fokus das stärkste Profil.
Hat der Startspieler bei Splendor einen Vorteil?
Einen minimalen. In der Simulation gewinnt der Startspieler zu zweit 52,0 %, zu dritt 33,9 % und zu viert 26,5 % (Gleichverteilung: 50 / 33,3 / 25 %). Der Rundenausgleich neutralisiert den Vorteil weitgehend; Menschen-Daten von Spendee zeigen keinen Vorteil. Eine Ausgleichs-Hausregel ist unnötig.
Fazit: Die Zahlen räumen mit drei Faustregeln auf
„Im Zweifel Weiß“, „maximal drei billige Karten“ und „wenige Karten gewinnen“ – alle drei halten der Auszählung und Simulation nicht stand. Was bleibt, ist einfacher: Ein-Farben-Karten sind die günstigsten Punkte, Nachbarfarben bedienen Karten und Adlige zugleich, und der Motor überholt den Sprinter ab Zug 23 – rechtzeitig vor dem Ende um Zug 27. Wie Sie daraus einen Phasenplan für Ihre nächste Partie machen, zeigt der Splendor-Strategie-Guide.