· Von Stefan
Schnelle Antwort: Kniffel wird mit 5 Würfeln, bis zu drei Würfen pro Zug und 13 Feldern gespielt: sechs Zahlenfelder oben (Bonus 35 Punkte ab 63) und sieben Kombinationsfelder unten (Kniffel 50, Große Straße 40, Kleine Straße 30, Full House 25). Wer nichts eintragen will oder kann, streicht ein Feld. Die härtesten Streitfragen – zweiter Kniffel, Streichen, Kniffel als Full House – haben je nach Regelfassung unterschiedliche offizielle Antworten, weil Schmidt Spiele seit den 1970ern drei Generationen der Anleitung gedruckt hat.
Quellen: Regelhefte von Schmidt Spiele in drei Fassungen (aktuelle Fassung 2024 als PDF, dazu die Fassung von 2008 und die älteste geprüfte Ausgabe). Wie Sie öfter gewinnen: der Kniffel-Strategie-Guide.
Kaum eine Partie Kniffel kommt ohne den Satz aus: „Moment, das haben wir immer anders gespielt.“ Meistens hat niemand unrecht – beide berufen sich nur auf unterschiedliche Auflagen derselben Schmidt-Anleitung. Diese Kniffel-Regeln fassen zuerst den Ablauf kompakt zusammen und klären danach genau die Stellen, an denen sich sogar das aktuelle Regelheft selbst widerspricht.
Diese Seite gehört zum Kniffel-Hub auf Spielstrategen und ergänzt den Kniffel-Strategie-Guide sowie den Datenpost mit allen Kniffel-Zahlen auf der Spiele-Übersicht.
Kniffel Regeln kompakt: Ablauf einer Runde
Kniffel spielen 2 bis 8 Personen ab 8 Jahren. Material sind fünf Würfel, ein Würfelbecher und ein Kniffel-Block mit einer Spalte pro Person.
Ein Zug läuft in bis zu drei Würfen:
- Erster Wurf mit allen fünf Würfeln.
- Zweiter und dritter Wurf freiwillig, nur mit den Würfeln, die Sie beiseitelegen wollen – bei jedem Wurf neu entscheidbar, wie viele Würfel erneut fallen. Ob ein im zweiten Wurf beiseitegelegter Würfel im dritten Wurf noch einmal aufgenommen werden darf, sagt die deutsche Anleitung nicht ausdrücklich; die englische Fassung erlaubt es klar, und strategisch schadet es nie.
- Eintragen. Spätestens nach dem dritten Wurf muss ein Feld ausgefüllt werden – entweder mit der erzielten Punktzahl oder, wenn kein Wurf passt, mit einer Null („Streichen“).
Das Spiel dauert 13 Runden. Es endet, sobald bei allen Mitspielenden jedes der 13 Kästchen gefüllt ist; gewonnen hat, wer die meisten Punkte hat.
Die 13 Felder: Wertungstabelle für Kniffel
| Feld | Bedingung | Punkte |
|---|---|---|
| Einser bis Sechser | Summe der gewürfelten Einsen/Zweien/… | je Zahl × Anzahl |
| Bonus oberer Teil | mind. 63 Punkte in Einser bis Sechser zusammen | 35 |
| Dreierpasch | mind. 3 gleiche Zahlen | Summe aller 5 Würfel |
| Viererpasch | mind. 4 gleiche Zahlen | Summe aller 5 Würfel |
| Full House | drei gleiche + zwei gleiche, andere Zahl | 25 |
| Kleine Straße | 4 aufeinanderfolgende Würfel, 5. beliebig | 30 |
| Große Straße | 1-2-3-4-5 oder 2-3-4-5-6 | 40 |
| Kniffel | alle 5 Würfel gleich | 50 |
| Chance | jeder beliebige Wurf | Summe aller 5 Würfel |
Zwei Details aus dem Regelheft werden am Tisch oft übersehen: Bei Dreier- und Viererpasch zählt die Summe aller fünf Würfel, nicht nur die der gleichen Zahlen. Und bei der kleinen Straße darf der fünfte, überzählige Würfel eine bereits vorhandene Zahl doppeln (Beispiel im Regelheft: 1-2-3-4-3).
Bonus ab 63: Die einzige Kniffel-Regel, über die niemand streitet
35 Punkte Bonus gibt es, sobald der obere Teil zusammen mindestens 63 Punkte erreicht. Diese Zahl steht identisch in jeder geprüften Auflage – von der ältesten deutschen Fassung bis zur aktuellen von 2024 – und ebenso in den englischen Yahtzee-Anleitungen von Hasbro und Winning Moves. Anders als bei „ab 63 oder ab 65″ kursierenden Foren-Fragen: Hier gibt es keine Regelabweichung.
Woher die 63 kommt, sagen ausgerechnet die Hersteller selbst, nicht die deutsche Anleitung: Sie entspricht drei Würfeln je Zahl (3 × 1 + 3 × 2 + … + 3 × 6 = 63). Das ist die Referenzlinie, an der sich einschätzen lässt, ob ein Zwischenstand gut oder schlecht steht.
💡 Faustregel: Liegen Sie nach einem oberen Eintrag bereits auf oder über „drei je Zahl“, steht der Bonus gut – bei genau diesem Zwischenstand holen ihn Spielerinnen und Spieler mit optimalem Zug nach eigener Rechnung in 56 bis 63 % der Partien (56 bis 59 % bei zwei bis vier belegten oberen Feldern).
Drei Schmidt-Regelgenerationen: Warum fast jeder Kniffel-Streit ein Generationenkonflikt ist
Schmidt Spiele hat die Kniffel-Anleitung seit den 1970er-Jahren mehrfach überarbeitet – die beiden Punkte, an denen sich die Fassungen am stärksten unterscheiden, sind ausgerechnet die beiden häufigsten Tischstreitfragen: der zweite Kniffel und das Streichen. Wer „bei uns war das immer anders“ hört, hat damit fast immer recht – nur eben für eine andere Auflage.
| Regelfassung | Zweiter (und weiterer) Kniffel | Streichen |
|---|---|---|
| Älteste geprüfte Fassung (1970er/80er) | 100 Zusatzpunkte, aber nur, wenn der erste Kniffel im Kniffel-Feld eingetragen wurde. Danach zählt jeder weitere Kniffel als Joker mit fester Vorrangfolge – einsetzbar auch für Full House und Straßen. | ohne Bedingung erlaubt |
| Fassung 2008 | 50 Zusatzpunkte ODER Joker – nie beides. Ist das Kniffel-Feld belegt und das passende obere Feld noch frei: 50 Punkte extra. Sind beide Felder belegt: Joker ohne Zusatzpunkte. | nur als Notlösung, wenn kein Feld mehr passt |
| Aktuelle Grundregel (2024) | Immer 50 Zusatzpunkte, zusätzlich eine frei wählbare „Höchstpunktzahl“ in ein beliebiges noch freies Feld – unabhängig vom tatsächlichen Wurf. Ob „Höchstpunktzahl“ das theoretische Maximum oder den Wurfwert meint, sagt das Heft nicht eindeutig. | nur als Notlösung – dieselbe Einschränkung wie 2008 |
| Meisterschaftsregel (im selben aktuellen Heft mitgedruckt) | 50 Zusatzpunkte, aber der Kniffel-Wurf muss in ein passendes Feld mit dem tatsächlichen Würfelwert – Full House und Straßen sind ausdrücklich ausgeschlossen. Passt kein Feld: streichen. | zusätzlich erlaubt: frei streichen, ohne Notlösung-Bedingung |
Der letzte Widerspruch steckt im selben Regelheft: Die Grundregel verlangt eine freie Höchstpunktzahl beim zweiten Kniffel und verbietet freies Streichen. Die Meisterschaftsregel, direkt daneben gedruckt, erzwingt beim zweiten Kniffel den tatsächlichen Würfelwert in einem passenden Feld – erlaubt dafür aber genau das freie Streichen, das die Grundregel verbietet. Schmidt druckt damit zwei einander widersprechende Antworten auf dieselbe Frage in ein einziges Heft. Einzig bei der Full-House-Frage sind sich beide Fassungen einig: Ein Kniffel zählt nicht als Full House, das stellt sogar die Ausschreibung der Deutschen Kniffel-Meisterschaft eigens klar.
Was die Streitfrage in Punkten wert ist
Nicht jede Regelfrage kostet gleich viel. Eine eigene Rechnung – geprüft an vier veröffentlichten Erwartungswerten anderer Regelsätze (Details im Kniffel-Datenpost) – beziffert, wie viele Punkte je Partie im Erwartungswert an jeder Streitfrage hängen (Regelsatz „Schmidt 2024, Hauptfall“ mit freiem Streichen, Solospiel auf Punkte, Mehrspieler nicht gerechnet):
| Streitfrage | Wert je Partie |
|---|---|
| Zählt ein Kniffel als Full House? | 0,034 |
| Muss der erste Kniffel im Kniffel-Feld stehen, damit der zweite Zusatzpunkte bringt? | 0,09 |
| „Höchstpunktzahl“ großzügig (z. B. Sechser mit 30) oder nur der tatsächliche Wurfwert? | 0,79 |
| Zweiter Kniffel nur ins passende Feld (Meisterschaftsregel) statt frei wählbarer Höchstpunktzahl | −1,21 |
| Darf man frei streichen oder nur als Notlösung? | 2,69 |
Eigene Rechnung, Regelsatz „Schmidt 2024, Hauptfall“. Die lauteste Tischdebatte – Kniffel als Full House – ist mit 0,034 Punkten zugleich die billigste in dieser Übersicht. Die stillste – frei streichen dürfen, statt nur als letzte Notlösung – ist mit 2,69 Punkten die teuerste. Ihr Effekt reicht weiter als der reine Punktwert: Unter der wörtlichen Grundregel (Streichen nur als Notlösung) fällt die Bonusquote bei optimalem Spiel von 69,3 % auf 58,1 %, weil schwache Würfe zwangsweise oben untergebracht werden müssen.
Vor der Partie klären: Vier Sätze reichen, um die häufigsten Streitfragen vorwegzunehmen: Darf frei gestrichen werden, oder nur als Notlösung? Bringt der zweite Kniffel 50 oder 100 Zusatzpunkte, und muss der erste im Kniffel-Feld stehen? Zählt „Höchstpunktzahl“ den theoretischen Bestwert oder den tatsächlichen Wurf? Und – nur zur Sicherheit, weil aus Yahtzee-Runden bekannt – zählt ein Kniffel hier ausdrücklich nicht als Full House.
Häufige Fragen zu den Kniffel-Regeln
Wie viele Zusatzpunkte gibt es für einen zweiten Kniffel – 50 oder 100?
Kommt auf die Auflage an. Die aktuelle Schmidt-Grundregel (2024) gibt immer 50 Zusatzpunkte plus eine frei wählbare Höchstpunktzahl in ein beliebiges freies Feld. Die älteste geprüfte Fassung (1970er/80er) gab 100 Punkte, aber nur, wenn der erste Kniffel im Kniffel-Feld stand – danach griff eine Joker-Regel ohne weiteren Bonus. Die 2008er-Fassung kannte 50 Punkte oder Joker, nie beides. Die im aktuellen Heft mitgedruckte Meisterschaftsregel gibt ebenfalls 50 Punkte, verlangt dafür aber den tatsächlichen Würfelwert in einem passenden Feld statt einer frei wählbaren Höchstpunktzahl.
Zählt ein Kniffel als Full House?
Nach der heutigen Regel nein. Nur die älteste geprüfte Fassung (1970er/80er) ließ einen weiteren Kniffel als Joker auch ins Full House zu. „Drei gleiche und zwei gleiche, andere Zahlen“ verlangt das Regelheft ausdrücklich, und die Ausschreibung der Deutschen Kniffel-Meisterschaft stellt es zusätzlich klar: Ein Kniffel darf nicht als Full House (oder als Straße) eingetragen werden. Bei der englischen Yahtzee-Regel ist das über die Joker-Bedingung dagegen ausdrücklich erlaubt – ein wichtiger Unterschied für alle, die beide Varianten kennen.
Darf man frei streichen, oder nur, wenn gar nichts anderes passt?
Die aktuelle Grundregel sagt: nur als Notlösung, wenn kein Feld eine Eintragung erlaubt. Freies Streichen aus taktischen Gründen ist erst über die Meisterschaftsregel ausdrücklich erlaubt – Schmidt formuliert das ausdrücklich als zusätzliche Änderung gegenüber der Grundregel. Ein Sonderfall bleibt offen: Ob ein Feld, das zwar eintragbar wäre, aber nur mit sehr wenigen Punkten, ebenfalls „notgestrichen“ werden darf, beantwortet keine geprüfte Quelle eindeutig.
Wie hoch ist der Bonus im oberen Teil, und ab wie vielen Punkten gibt es ihn?
35 Punkte ab 63 Punkten im oberen Teil (Einser bis Sechser zusammen) – das ist über alle geprüften deutschen und englischen Regelgenerationen hinweg unstrittig. Anders als bei den meisten anderen Kniffel-Streitfragen gibt es hier keine widersprüchlichen Auflagen.
Was gilt als kleine und was als große Straße?
Eine kleine Straße sind vier aufeinanderfolgende Würfel, der fünfte darf eine beliebige – auch eine bereits vorhandene – Zahl zeigen (Beispiel im Regelheft: 1-2-3-4-3). Eine große Straße sind genau fünf aufeinanderfolgende Würfel; dafür gibt es nur zwei mögliche Kombinationen: 1-2-3-4-5 oder 2-3-4-5-6. Andere Fünferfolgen existieren mit sechs Würfelaugen nicht.
Darf ein Kniffel als Dreier- oder Viererpasch eingetragen werden?
Ja, jederzeit: Fünf gleiche Würfel erfüllen die Bedingung „mindestens drei (vier) gleiche Zahlen“, gewertet wird die Augensumme (fünf Vierer: 20 Punkte). Beim zweiten und weiteren Kniffel regeln die Fassungen zusätzlich, wohin der Wurf darf: Die ältesten Fassungen erlauben den Joker erst, wenn Kniffel-Feld und passendes oberes Feld belegt sind; die Meisterschaftsregel verlangt ein passendes Feld mit dem Würfelwert (20); die Grundregel 2024 erlaubt die Höchstpunktzahl in einem beliebigen freien Feld – nach großzügiger Lesart 30. Unterschiedlich ist nur, ob dafür zusätzlich ein Bonus fällig wird und wie hoch er ausfällt – 100, 50 oder gar keine Zusatzpunkte, je nach Regelfassung (siehe Tabelle oben).
Fazit: Vier Sätze vor dem ersten Wurf ersparen den Tischstreit danach
Die 13 Felder und die Grundwertung sind über alle Regelfassungen hinweg gleich – gestritten wird fast ausschließlich über zwei Fragen: den zweiten Kniffel und das Streichen. Beide hängen davon ab, welche Schmidt-Generation gerade auf dem Tisch liegt, und beide lassen sich vor dem ersten Wurf in einem Satz klären. Wer zusätzlich wissen will, wie stark sich diese Regelentscheidungen auf die Gewinnchancen und die richtige Spielweise auswirken, findet die Fortsetzung im Kniffel-Strategie-Guide und alle Zahlen im Kniffel-Datenpost.
Wie unterschiedlich sich Regelgenerationen und Hausregeln bei einem Würfelspiel auf die Praxis auswirken können, zeigen mit ähnlicher Systematik auch die Backgammon-Zahlen zu Trefferwahrscheinlichkeiten und der Monopoly-Datenpost. Wer nach einem kürzeren Familienspiel ohne Regelgenerationen-Streit sucht, findet in den Familienspielen ab 8 Jahren passende Alternativen.
Quellen und Datenbasis
- Drei Generationen der Schmidt-Spiele-Anleitung (1970er/80er-Fassung, 2008er-Fassung, aktuelle Fassung 2024 inklusive mitgedruckter Meisterschaftsregel) sowie die Ausschreibung der Deutschen Kniffel-Meisterschaft, alle im Volltext geprüft.
- Zum Vergleich herangezogen: aktuelle und ältere Hasbro- sowie Winning-Moves-Anleitungen zu Yahtzee.
- Eigene Rechnung zum Punktwert einzelner Regelfragen, Regelsatz „Schmidt 2024, Hauptfall“ (freies Streichen), geprüft an vier unabhängig veröffentlichten Erwartungswerten; Solospiel auf Punkte, Mehrspieler-Anpassung nicht gerechnet. Methodik und Grenzen im Kniffel-Datenpost.